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Aktiv oder passiv? Warum 70 % der Fachkräfte im Gesundheitswesen nie eine Stellenanzeige lesen

  • Autorenbild: Rebecca Hesselbach
    Rebecca Hesselbach
  • 15. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Wer nur Stellenanzeigen schaltet, erreicht maximal 30 % des Marktes. Was passive Kandidaten im Gesundheitswesen wirklich bewegt – und wie Betriebe sie erreichen.



*Von Rebecca Hesselbach | personalfundament.de*




Stellen Sie sich vor, Sie hängen ein Plakat in einem Raum auf – und 70 % der Menschen, die Sie ansprechen wollen, betreten diesen Raum nie.


Genau das passiert, wenn Betriebe im Gesundheitswesen ausschließlich auf Stellenanzeigen setzen.



Der geteilte Markt


Fachkräfte im Gesundheitswesen lassen sich in zwei Gruppen einteilen:

Aktive Kandidaten – Menschen, die gerade aktiv eine neue Stelle suchen. Sie sind auf Jobportalen, lesen Anzeigen, bewerben sich. Diese Gruppe macht laut aktuellen Studien etwa 20 bis 30 Prozent der verfügbaren Fachkräfte aus.

Passive Kandidaten – Menschen, die nicht aktiv suchen, aber grundsätzlich offen für einen Wechsel wären. Sie sind in einem Betrieb beschäftigt, erledigen ihre Arbeit – und denken nicht jeden Tag daran, woanders hinzugehen. Diese Gruppe macht 70 bis 80 Prozent aus.

Das Entscheidende: Stellenanzeigen erreichen fast ausschließlich die erste Gruppe.



Warum passive Kandidaten nicht auf Anzeigen reagieren


Das bedeutet nicht, dass passive Kandidaten keine Wechselbereitschaft haben. Es bedeutet nur, dass sie anders angesprochen werden müssen.

Wer nicht aktiv sucht, öffnet keine Jobportale. Wer nicht aktiv sucht, bewirbt sich nicht auf eine Anzeige, die er nie gelesen hat. Und wer nach einem langen Frühdienst kurz aufs Handy schaut, schickt keine vollständigen Bewerbungsunterlagen per E-Mail.

Passive Kandidaten bewegen sich nicht auf den Betrieb zu. Sie müssen vom Betrieb gefunden werden.

Das ist der fundamentale Unterschied – und er erklärt, warum viele Betriebe im Gesundheitswesen das Gefühl haben, es gebe keine Fachkräfte mehr. In Wirklichkeit sind die meisten Fachkräfte einfach nicht dort, wo gesucht wird.



Was passive Kandidaten zum Wechsel bewegt


Passive Kandidaten wechseln nicht wegen einer Anzeige. Sie wechseln aus einem von drei Gründen:

1. Sie werden direkt angesprochen. Eine persönliche Nachricht, die zeigt, dass jemand ihr Profil wirklich angeschaut hat – nicht ein Massenversand, nicht ein generisches „Wir suchen jemanden wie Sie". Sondern eine echte, kurze Ansprache, die konkret macht, warum gerade sie interessant sind.

2. Ein Betrieb ist ihnen schon vorher aufgefallen. Ein Betrieb, der regelmäßig sichtbar ist – online, in der Branche, im Netzwerk – bleibt im Gedächtnis. Wenn dann der richtige Moment kommt, ist der erste Gedanke: „Da gab es doch diesen Betrieb..."

3. Der Moment passt. Kein Kandidat wechselt, wenn gerade alles gut läuft. Aber irgendwann läuft etwas nicht mehr rund. Der Chef geht, das Team verändert sich, die Belastung steigt. Betriebe, die zu diesem Zeitpunkt präsent sind, haben einen entscheidenden Vorteil.



Was das für die Personalgewinnung bedeutet


Stellenanzeigen sind kein Fehler. Sie gehören in den Mix – für die 30 Prozent, die aktiv suchen. Aber wer nur Anzeigen schaltet, kämpft um denselben Bruchteil des Marktes wie alle anderen.

Betriebe, die auch passive Kandidaten erreichen wollen, brauchen drei Dinge:

Aktive Direktansprache – systematisch, nicht sporadisch. Nicht dann, wenn eine Stelle brennt, sondern laufend.

Sichtbarkeit als Arbeitgeber – nicht als Marketingprojekt, sondern als ehrliche Darstellung: Wie arbeitet man bei Ihnen? Was unterscheidet Ihren Betrieb? Was können Mitarbeitende dort erwarten?

Einen Bewerbungsprozess, der niedrige Einstiegshürden hat – weil ein passiver Kandidat beim ersten Kontakt keine vollständigen Unterlagen einreicht. Er schreibt eine kurze Nachricht. Oder er reagiert auf eine Ansprache. Der erste Schritt muss einfach sein.



Der häufigste Einwand


„Wir haben keine Zeit für Direktansprache."

Das verstehe ich. In kleinen und mittleren Betrieben im Gesundheitswesen läuft alles nebenbei. Keine HR-Abteilung, keine eigene Recruiting-Stelle.

Aber Direktansprache muss nicht aufwendig sein. Sie muss strukturiert sein. Ein klarer Prozess, klare Vorlagen, ein festes Zeitbudget pro Woche – das reicht, um einen kontinuierlichen Strom an Erstkontakten aufzubauen. Ohne großen Aufwand, ohne externes Budget.

Genau das bauen wir mit Personalfundament auf.


Wie viele Ihrer bisherigen Neueinstellungen kamen über eine Stellenanzeige – und wie viele über persönliche Empfehlung oder Direktkontakt?


Die Antwort auf diese Frage sagt mehr über Ihren Recruiting-Mix als jede Statistik.

Als nächstes: [August-Artikel: Was Betriebe mit besetzten Stellen anders machen – 5 Muster aus der Praxis]



Rebecca Hesselbach ist Gründerin von Personalfundament und begleitet seit über acht Jahren Betriebe im Gesundheitswesen dabei, ihre Personalgewinnung intern zu strukturieren.



Wenn Sie herausfinden möchten, wo Ihr Betrieb aktuell steht, können Sie auf https://www.personalfundament.de in rund zwei Minuten Ihre Personalsituation kostenlos einordnen – ohne Anmeldung, direkt und konkret.





 
 
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